17.06.2017, von Anja Villwock

Verletztentransport in der Britzer Mühle

Ungewöhnliche Aktivitäten fanden am 17. Juni 2017 in der historischen Windmühle in Berlin-Britz statt. Statt Mehlsäcke trugen Neuköllner THW-Helfer verletzte Personen aus der Holländermühle – zum Üben.

Einen ungewöhnlichen Anblick bietet die historische Britzer Mühle im sonst so quirligen Bezirk Neukölln. Quelle: THW/ Joachim Schwemmer

In der über 150 Jahre alten Britzer Mühle, ehemals „Stechhan'sche Mühle" genannt, können sich Interessierte zwei Jahre lang als Windmüller ausbilden lassen. Doch was passiert, wenn sich einer der Lehrgangsteilnehmer verletzt und nicht mehr allein die steilen Treppen der Mühle hinabsteigen kann. Simone Titze, 2. Vorsitzende und Sicherheitsbeauftragte des Vereins Britzer Müllerei e.V., bot deshalb den THW-Helfern aus Neukölln an, in der Mühle eine Bergungsübung durchzuführen.

Bergeschleppe, Krankentrage, Schleifkorb, Bergetuch oder Rollgliss-Abseilgerät mit Rettungsdreieck - für den Transport von verletzten Personen haben die THW-Einsatzkräfte verschiedene Bergungsmittel auf ihrem Gerätekraftwagen. Ein „normales“ Treppenhaus, das die sechs Ebenen des Gebäudes verbindet, gibt es in der Mühle nicht. Der Schleifkorb kommt für die schmalen Stiegen nicht in Frage. Auch die Bergeschleppe scheint nicht geeignet zu sein. Mit einem Dummy im Bergetuch starteten die Helfer einen ersten Trageversuch. Durch die Flexibilität des Tuches konnten die Einsatzkräfte alle Engstellen gut passieren und den „Verletzten“ sicher nach draußen bringen.

Für die nächste Herausforderung zogen die Bergungskräfte den Dummy mit dem Sackaufzug wieder nach oben, hier wurden auch das Rollglissgerät und das Rettungsdreieck ausprobiert.  Der Dummy sollte dann vom Kappboden, also der Ebene direkt unter dem drehbaren Dach der Kornmühle, eingebunden auf der Krankentrage nach unten transportiert werden. Dabei ging es vorbei an den riesigen Zahnrädern aus Holz, dem Mühlstein auf dem Steinboden und den Sieben auf dem Absackboden. Es zeigte sich, dass trotz der Enge und den steilen Holzstiegen auch die Krankentrage ein geeignetes Transportmittel war. Durch geschicktes Drehen und Weitergeben von Hand zu Hand kam der „Verletzte“ schnell auf dem Galerieboden an. Hier probierten die acht Helfer noch eine dritte Bergungsmethode aus. Von der außen an der Mühle angebrachten Galerie wurde die Krankentrage mittels Leiterhebel sicher zu Boden gelassen. Das ging allerdings nur, weil die Müllerlehrlinge vorher die Flügel der Windmühle bremsten. Diese würden sonst mit 75 km/h an den Helfern vorbeisausen.

Eine knifflige Aufgabe, eine ungewöhnliche Übungsumgebung und ein sehr nettes Mühlenteam bildeten die Zutaten für einen interessanten Samstag mit vielen neuen Erkenntnissen – Wiederholung nicht ausgeschlossen.

Wer noch mehr über die Britzer Mühle wissen will: www.britzer-muellerei.de

 

 


  • Einen ungewöhnlichen Anblick bietet die historische Britzer Mühle im sonst so quirligen Bezirk Neukölln. Quelle: THW/ Joachim Schwemmer

  • Leiterteile, zusammenklappbare Krankentrage, Schleifkorb und Bergeschleppe, alles wird benötigt zum Transport des „verletzten“ Dummys. Quelle: THW/ Joachim Schwemmer

  • Vor dem Üben erhalten die THW-Helfer eine Führung in dem historischen Bauwerk. Quelle: THW/ Anja Villwock

  • Auf sechs Ebenen verteilen sich die einzelnen Stationen zum Mahlen des Korns. Quelle: THW/ Anja Villwock - Verein Britzer Müllerei e.V.

  • Ein Verletzter liegt direkt unter der drehbaren Kappe der Mühle. Hier ist Vorsicht geboten, an den niedrigen Aufbauten kann man sich schnell den Kopf stoßen. Quelle: THW/ Anja Villwock

  • Steile Stiegen führen durch die Mühle. Mit Geschick und Kraft bugsieren die Helfer die Krankentrage an den Engstellen vorbei. Quelle: THW/ Anja Villwock

  • Eine schöne Kulisse für eine zünftige Pause. Quelle: THW/ Joachim Schwemmer

  • Durch die Luken in den Böden werden normalerweise die Korn- und Mehlsäcke transportiert. Jetzt schwebt der Dummy wieder nach oben. Quelle: THW/ Joachim Schwemmer

  • Die Krankentrage wurde an den Leiterteilen befestigt. Von der Galerie aus kann der Verletzte mit dem Leiterhebel sicher zu Boden gebracht werden. Quelle: THW/ Joachim Schwemmer

  • Ein gutes Team: Müller, Lehrlinge und THW-Helfer haben viel gelernt. Quelle: THW/ Joachim Schwemmer

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